Systemische Familienaufstellung nach Hellinger

29. Mai 2016

systemische Familienaufstellung

Von einer systemischen Familienaufstellung nach Hellinger haben viele schon einmal gehört. Aber was genau verbirgt sich dahinter? Wann hilft eine Familienaufstellung, was macht man dabei genau und was kostet das Familienstellen? Einige der wichtigsten Fragen möchte ich heute aus eigener Erfahrungen beantworten.

Kennt ihr auch solche Menschen, die das das Unglück magisch anziehen, obwohl sie doch nett sind, moralisch völlig einwandfrei und auch sonst niemandem etwas Böses wollen? Ich meine hier nicht, dass man den Wohnungsschlüssel verlegt hat oder den Kotflügel vom Auto zerschrammt, sondern da gibt es richtig traurige Lebensschicksale. Mitunter zieht sich das Unglück wie ein roter Faden durch die Familie. Oft ist das richtig ungerecht! Wie kann eine Familie so viel Pech aushalten? Warum trifft es genau die eine Familie immer wieder, obwohl alle sich größte Mühe geben und vorsichtig agieren? Sogar unter Prominenten gibt es viele Beispiele wie den Fluch der Kennedys oder die Familiengeschichte des Onassis Clans.


In diesen Fällen bietet sich als Lösung die Durchführung einer systemischen Familienaufstellung nach Hellinger an. Ich habe als Stellvertreter bereits jahrelang in über 100 Familienaufstellungen mitgewirkt und habe bei jeder Aufstellung erfahren dürfen, wie segensreich eine Familienaufstellung sein kann. In die „Tätigkeit“ als Stellvertreter bei Familienaufstellungen bin ich als völliger Laie vor ca. 15 Jahren hineingeschlittert, als ich nach einer persönlichen Krise eine eigene Familienaufstellung gemacht habe. Das hat mich so beeindruckt, dass ich seitdem gerne meine Zeit und Energie als Stellvertreter dafür verwende, Menschen zu helfen, die sich in einer ähnlich schwierigen Situation befinden wie ich damals.

Was genau ist Familienstellen?

Bert Hellinger hat das Verfahren in den 90er Jahren entwickelt und geprägt. Unter systemischer Familienaufstellung versteht man einen Prozess, bei dem Personen (sog. Stellvertreter) stellvertretend für die Mitglieder einer Familie in einem Raum positioniert (aufgestellt) werden, um so bestimmte Muster oder Verhaltensweisen innerhalb des Familiensystems erkennen zu können.

Soviel ich weiß, werden Familienaufstellungen meist durch Therapeuten durchgeführt, was auch sicher sinnvoll ist. Viele Therapeuten arbeiten eng nach der von Hellinger entwickelten Methode, ich habe aber schon von vielen Therapeuten gehört und einige erlebt, die einen Arbeitsstil mit eigenen Schwerpunkten praktizieren. Die Preise variieren von Therapeut zu Therapeut, 200-300 Euro sollte man für einen guten Ansprechpartner schon einplanen.

Beim Familienstellen wird davon ausgegangen, dass alle Mitglieder einer Familie emotional miteinander verknüpft sind. Wenn es Störungen in der Familie gibt, kann dies zu psychischen Problemen oder Krankheiten bei einem oder mehreren Mitgliedern der Familie führen. Eine Störung kann so lange zurückliegen, dass sich niemand mehr daran erinnern kann. Es kann auch sein, dass die Störung in der Familie totgeschwiegen wurde, so dass niemand außer die direkt Betroffenen davon wissen. Das ist natürlich für jemand, der Probleme hat, sehr schlimm. Er kann Psychotherapien durchführen, seine Seele und sein Leben erforschen, er wird an solch ein verschüttetes Wissen niemals herankommen. Das ist wie ein Schatten, der über einem lauert, aber den man nicht zu fassen bekommt. Das Licht nimmt er trotzdem weg.

Fatal ist nämlich, dass die emotionale Störung nicht verschwindet, wenn der „Verursacher“ gestorben ist. Sehr häufig identifizieren sich nahe Angehörige, aber auch später lebende Nachkommen mit dem Schicksal des „Verursachers“ und ihnen geht es dann einfach schlecht, sie haben immer Pech, kommen nie richtig auf die Füße, sind schlimm erkrankt, etc. etc. Das kann so über mehrere Generationen gehen. Während der Aufstellung wird die natürliche Ordnung in der Familie wieder hergestellt, nur dann hat man die Chance, dass sich die Ursache für Unglück, Krankheiten, etc. auflöst.

Angst vor einer Aufstellung

Das Ganze hört sich zugegebenermaßen schon dubios an, aber was hat man zu verlieren, wenn es einem und der ganzen Familie schlecht geht und man keinen Ausweg mehr weiß? Wenn man schon alles ausprobiert hat, den Arzt, den Spezialisten, den Therapeuten, den Wohnortwechsel, eine andere Arbeit, einen neuen Partner und was sich sonst noch im Leben für Lösungsversuche für hartnäckige Probleme anbieten.

Ich kann euch versichern, ich habe noch keine Aufstellung erlebt, die ein Hilfesuchender leichtfertig und vorschnell eben mal so gemacht hat, weil er es sich leisten konnte. Immer waren die Klienten nervös, angespannt und sehr häufig auch skeptisch. Ganz oft habe ich in den Aufstellungen erlebt, dass ein Klient dann nach einiger Zeit zustimmend mit dem Kopf genickt hat, geweint hat, weil er betroffen war und sich mit dem Geschehen völlig identifizieren konnte, weil es seine ureigenste Geschichte war.


Ich weiß auch aus vielen Gesprächen, dass die meisten Menschen große Angst haben, dass sie am Ende einer Familienaufstellung „entblättert“ sind und mit ihren Problemen allein nach Hause gehen müssen. Das schreckt viele ab. Wenn man den Therapeuten sorgfältig auswählt und vorher einmal zuschaut bei einer Aufstellung (und das machen gute Therapeuten gerne möglich), dann wird man erfahren, dass diese Angst unbegründet ist. Ich möchte nicht verschweigen, dass es im Anschluss an eine Familienaufstellung nötig sein kann, noch einige Termine beim Therapeuten zu nehmen, damit man das Erlebte nach-bearbeiten kann. Das war auch bei mir so. Aber dann weiß man wenigstens, wo man ansetzen muss und tappt nicht wie vorher im Dunklen.

Ich kann aus eigener Erfahrung und aus den Erzählungen vieler Bekannter bestätigen, dass es unglaublich befreiend ist zu erfahren, wo die Störung im Familiensystem herkommt. Die Heilung im Familiensystem wirkt sich mit Sicherheit positiv auf das ursprüngliche Problem aus. Manche Veränderungen sind sofort erkennbar, manche dauern einige Tage oder Wochen.

Was passiert bei einer systemischen Familienaufstellung?

Wie funktioniert nun eine Familienaufstellung genau? Nachdem es verschiedene Methoden und Techniken gibt, kann ich nur von der Methode berichten, die ich aus meiner Tätigkeit als Stellvertreter kenne.

Jemand, der eine persönliche Thematik lösen möchte, meldet sich beim Therapeuten/ Gruppenleiter, um eine Aufstellung durchzuführen. Der Aufstellungsleiter befragt ihn zu seinem Problem und zu seiner Familie jetzt und in der Vergangenheit (soweit es der Klient weiß).

Die Aufstellungsleiter lädt sieben bis maximal zehn Stellvertreter ein. Stellvertreter und Klient kennen sich in der Regel nicht, sie wissen auch nichts voneinander, alle unterliegen der Schweigepflicht.

Nach einer kurzen Begrüßung und Einstimmung sucht der Hilfesuchende für sich selbst einen Stellvertreter aus der Gruppe aus und für die Familienmitglieder, die als wesentlich für sein Anliegen vermutet werden.

Der Klient positioniert seinen Stellvertreter und die anderen Familienmitglieder im Raum, so wie er es für richtig hält. Das gibt schon erste Aufschlüsse, zum Beispiel wenn nahe Familienangehörige in entgegengesetzte Ecken des Raums „geschoben“ werden. Intuitiv erfassen die Stellvertreter die Situation und auf Nachfrage des Aufstellungsleiters entwickelt sich die Dynamik und Geschichte der Familie des Klienten. Die Stellvertreter spüren die Gefühle des Familienmitglieds, das sie darstellen und entwickeln seine Gedanken. Das hört sich etwas gruslig an und man könnte denken, dafür braucht der Stellvertreter besondere hellsichtige Fähigkeiten oder er muss wahrsagen können. Das ist aber weit gefehlt, jeder halbwegs sensible Mensch kann erspüren, was in der Aufstellung gesagt und getan werden muss.

Familienstellen

Was passiert einem selbst, wenn man Familienangehörige oder gute Freunde trifft, die ein Problem haben? Da erspürt man in der Regel auch sehr schnell, was los ist und was man sagen und tun kann, um sie zu trösten. Auch bei der Aufstellung ist ein Mensch mit seinen Nöten da. Dadurch, dass man sich voll darauf konzentriert, kann man die Energie des Klienten und die seiner Familie genauso erspüren, wie die Nöte eines guten Freundes. (Natürlich ist das eine wie das andere eine phantastische Sache).

Durch die ausgesprochenen Gefühle und Gedanken der Stellvertreter werden die Verstrickungen im Familiensystem des Klienten aufgedeckt und es kann eine Lösung erreicht werden.

By Helena

Helena ist Mitte 50 und schreibt auf Sonnengeflecht hin und wieder über ihr Seelenleben und teilt interessante Einblicke mit uns.

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