DSM-5: Das Buch, dass uns zu Kranken macht

DSM-5: Das Buch, dass uns zu Kranken macht

ADHS, Borderline, Depressionen, PTSB… die Liste an möglichen psychischen Erkrankungen ist lang und nicht jede Verhaltensauffälligkeit ist gleich eine Krankheit.

DSM-5 – worum geht’s überhaupt?

Schenkt man dem Buch DSM-5 Glauben, ist die Gesellschaft allerdings kränker als ihr lieb ist. DSM-5 ist die Abkürzung für: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM). Die Zahl 5 gibt an, dass es sich bei diesem Buch um die fünfte Auflage handelt.

In dieser „Bibel“ sammeln sich 374 verschiedene mögliche Diagnosen, die Psychiatern und Psychologen helfen sollen, psychische Störungen einheitlich wiederzugeben und Diagnosen transparenter zu gestalten. Prinzipiell eine sinnvolle Angelegenheit – insofern es sich wirklich um eine ernstzunehmende psychische Krankheit handelt.

Wer ist der Urheber?

Herausgegeben wurde die „Bibel“ der psychischen Krankheiten und Störungen von der Amerikanischen psychiatrischen Gesellschaft (APA). Die Gesellschaft hat zirka 36.000 Mitglieder und ist die weltweit größte Vereinigung von Psychiatern. Der Inhalt wurde von verschiedenen Autoren über mehrere Jahre hinweg zusammengestellt. Die Grundlagen für diese Bibel liefern Forschungsergebnisse und Studien. Inwieweit die angeheuerten Wissenschaftler objektiv agieren, ist nicht ganz klar. 2008 gab es in Amerika einen Skandal, dass die beteiligten Autoren stellenweise große Einkünfte von der Pharmaindustrie vorzeigen konnten. Eine neue Regelung soll verhindern, dass die Beteiligten zu stark von bestimmten Pharmaunternehmen beeinflusst werden könnten – so die Theorie.

Klar ist auf jeden Fall: die Pharmaindustrie hat hier ihre Finger im Spiel. Es scheint kein Zufall zu sein, dass das neue Werk immer häufiger zur Gabe von Medikamenten rät und neue „Krankheiten“ klassifiziert, die eine Medikamentengabe erfordern.

Warum ist DSM-5 so wichtig?

Aus meiner Sicht hat DSM-5 vor allem für Krankenkassen und die Pharmaindustrie einen Nutzen. Viele anderen Menschen hingegen schadet dieses Klassifikationssystem nur. Schuld sind in erster Linie die Veränderungen und teilweise neuen Erkrankungen in der Bibel.

DSM-5 könnte Menschen mit Spielsucht helfen, denn hierbei handelt es sich nun um eine offizielle psychische Störung. Doch während so manche neue Kategorisierung vielen Menschen helfen könnte, kann so manch andere das Leben vieler Menschen auf den Kopf stellen – nicht nur in Amerika, sondern auch hier in Deutschland.

Krankheiten, physisch wie psychisch, werden in Deutschland nach dem ICD-10 klassifiziert. Dabei handelt es sich um das eigenständige Werk der Weltgesundheitsorganisation, dass sich aber seit jeher an dem DSM-5 orientiert. Die Auswirkungen dürften folglich hierzulande ebenfalls zu spüren sein.

Wie DSM-5 vielen Menschen schadet

Nicht nur ich, sondern viele andere Menschen kritisieren das DSM-5. Nicht nur, weil die Gabe von Psychopharmaka immer mit Nebenwirkungen verbunden ist. Im Dschungel aus Fremdwörtern und allerlei Bezeichnungen für Verhaltensauffälligkeiten, tut sich berechtigterweise schnell die Frage auf: sind wir wirklich so krank, wie das DSM-5 es uns glauben lässt?

Ein deutliches Indiz ist die deutlich zunehmende Anzahl an Krankheiten: während die Vorgängerversion 297 psychische Störungen aufzählte, nennt ihr Nachfolger bereits 374. Nach dem Erscheinen des fünften Bandes war der Aufschrei entsprechend groß, denn es ist nicht ganz klar, wo normales Verhalten endet und krankes beginnt.

Vor allem ich stelle mir die Frage: welcher Mensch hat das Recht zu entscheiden, was noch normal ist und was nicht? Ich habe den Eindruck, dass wir Menschen vollkommen verlernt haben, uns so anzunehmen, wie wir sind. Ein aktives Kind wird schnell mit der Diagnose ADHS abgespeist, jemand der einen Schicksalsschlag erleiden musste und eine angemessene Zeit lang traurig ist über einen Verlust, hat plötzlich Depressionen. In den meisten Fällen helfen nicht Medikamente und eine Psychotherapie, sondern Toleranz, Beistand und die Fähigkeit, uns gegenseitig so zu akzeptieren, wie wir sind.

Menschlichkeit ist das Stichwort und die wird nicht mit bunten Pillen und kaum zu verstehenden Diagnosen erreicht!

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