{"id":20,"date":"2020-03-14T08:39:32","date_gmt":"2020-03-14T07:39:32","guid":{"rendered":"https:\/\/sonnen-geflecht.de\/?p=20"},"modified":"2020-03-14T10:27:25","modified_gmt":"2020-03-14T09:27:25","slug":"histaminintoleranz-heilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sonnen-geflecht.de\/ernaehrung\/histaminintoleranz-heilen\/","title":{"rendered":"Histaminintoleranz heilen: Was hilft wirklich?"},"content":{"rendered":"
Nach einem sch\u00f6nen Abendessen beim Italiener wird die Stimmung pl\u00f6tzlich getr\u00fcbt von akuten Bauchschmerzen, Durchfall, \u00dcbelkeit. Wem das bekannt vorkommt, der leidet m\u00f6glicherweise an einer noch relativ unbekannten Krankheit: Histaminintoleranz (Histaminose). Was genau sich hinter diesem Begriff verbirgt und warum die Symptome so diffus sind, l\u00e4sst sich schwerlich auf die Schnelle erkl\u00e4ren. Nach einer kurzen Einf\u00fchrung in das Thema soll es hier daher vor allem um eine Frage gehen: Was hilft wirklich bei Histaminunvertr\u00e4glichkeit? Wie habe ich es geschafft, heute symptomfrei zu leben?<\/p>\n
Histamin ist ein Gewebshormon bzw. Neurotransmitter<\/strong>, der im K\u00f6rper nat\u00fcrlicherweise vorkommt. Der Botenstoff Histamin ist wichtig f\u00fcr das zentrale Nervensystem, die Verdauung und ein funktionst\u00fcchtiges Immunsystem. Histamin ist z.B. auch an\u00a0einer allergischen Reaktion beteiligt.<\/p>\n Von einer Histaminintoleranz spricht man, wenn der K\u00f6rper (vor\u00fcbergehend) nicht (mehr) in der Lage ist, freigesetztes oder von au\u00dfen zugef\u00fchrtes Histamin schnell genug abzubauen, weil nicht ausreichend Enzyme<\/strong> zur Verf\u00fcgung stehen. Durch den erh\u00f6hten Histaminspiegel im Blut werden zahlreiche K\u00f6rperfunktionen beeintr\u00e4chtigt, \u00e4hnlich der Reaktion bei einer Allergie, aber weitaus weitreichender und langwieriger. Wer diesen Zustand nicht kennt, kann sich am besten einen ganz schlimmen Kater nach einer durchzechten Nacht vorstellen. Auch, wer schon einmal eine Fischvergiftung hatte, kennt die Verfassung, in der sich Betroffene befinden. Denn in verdorbenem Fisch ist eine so hohe Menge Histamin, dass selbst ein gesunder Darm sie nicht schnell genug abbauen kann. Das Histamin geht in die Blutbahn \u00fcber und verursacht vielz\u00e4hlige Symptome.<\/p>\n Die Symptome sind so vielf\u00e4ltig wie die Orte, wo Histamin im K\u00f6rper t\u00e4tig werden kann. Nur weil ein Symptom nicht auf der Liste steht, kann es trotzdem damit in Zusammenhang stehen:<\/p>\n Die Symptome treten bei manchen Menschen unmittelbar, d.h. 30-40 Minuten nach dem Verzehr der histaminhaltigen Lebensmitteln auf. Typischerweise \u00e4u\u00dfert sich die „\u00dcberdosis“ mit R\u00f6tungen im Gesicht, Durchfall und Bauchschmerzen. Bei manchen Betroffenen dauert es einige Stunden, bei anderen einen kompletten Tag, bis sich die Symptome zeigen. Auch bis Linderung eintritt, kann es einige Zeit dauern. In meinem Fall dauerte es 1-2 Tage, bis ich das Histamin im K\u00f6rper zu sp\u00fcren bekam und genauso lange, bis ich mich besser f\u00fchlte.<\/p>\n Entprechende Tests im Labor anfordern kann eigentlich jeder niedergelassene Arzt<\/strong> – sofern man ihn dazu \u00fcberreden kann. Denn viele \u00c4rzte wissen leider nach wie vor nichts von der Diagnose und f\u00fchlen sich \u00fcberrumpelt, wenn man mit dem Wunsch nach einem Test kommt. Die Krankenkassen \u00fcbernehmen die Kosten daf\u00fcr aber ohnehin nicht und so kann sich ein wenig Hartn\u00e4ckigkeit schon bezahlt machen.<\/p>\n Grunds\u00e4tzlich gibt es einen Bluttest<\/strong> und einen Test der Darmflora in einer Stuhlprobe<\/strong>. Sinnvoll ist eine Kombination beider, meist wird aber erst einmal der Bluttest angeordnet. Festgestellt werden\u00a0kann nicht der der DAO-Spiegel per se, sondern das Abbauprodukt von Histamin (Methylhistamin). Allerdings kann dieses je nach vorangegangener Di\u00e4t stark schwanken. D.h. wer schon eine Weile eine histaminarme Di\u00e4t verfolgt, wird vermutlich einen recht niedrigen Wert haben, weil kaum Histamin aus der Nahrung abgebaut wurde.<\/p>\n Aussagekr\u00e4ftiger ist, nach einer mindestens 2-w\u00f6chigen Eliminationsdi\u00e4t<\/strong> oder Kartoffel-Reis-Di\u00e4t die Toleranzsschwelle zu ermitteln.<\/p>\n Was genau du als Betroffener noch essen kannst, kannst nur du selbst bestimmen. Es gibt einige Lebensmittel, die nachgewiesenerma\u00dfen einen wahnsinnig hohen Histaminwert haben. Andere werden von manchen vertragen, von anderen wiederum gar nicht. Auch gilt bei Histamin, anders als bei einer Allergie, die Dosis macht das Gift, d.h. je mehr Histamin sich in der Blutbahn befindet, desto st\u00e4rker \u00e4u\u00dfern sich die Symptome. Daher ist es wichtig, vor dem Verzehr „gef\u00e4hrlicher“ Lebensmittel auf seinen K\u00f6rper zu achten. Irgendwann lernt man, zu entscheiden, ob man ihm noch etwas zumuten kann, oder ob das das Fass zum \u00dcberlaufen br\u00e4chte. Einen ersten \u00dcberblick \u00fcber Nahrungsmittel findet ihr z.B. hier<\/a>.<\/p>\n Nicht in allen Nahrungsmitteln, die auf der „roten Liste“ stehen, ist viel Histamin enthalten. Manche haben, wie auch bestimmte Medikamente, Wirkstoffe, die Histamin aus den Mastzellen freisetzen. Wieder andere enthalten Stoffe, die durch dieselben Enzyme wie Histamin abgebaut werden und so den Histaminabbau behindern.<\/p>\n Alkohol ist grunds\u00e4tzlich schwierig. Nicht nur haben Bier und Wein durch den G\u00e4hrungs- bzw. Reifeprozess oft viel Histamin, Alkohol ist au\u00dferdem ein Histaminliberator, hemmt au\u00dferdem den Stoffwechsel, macht die Darmwand durchl\u00e4ssiger und schw\u00e4cht den K\u00f6rper allgemein, was zu einer Verst\u00e4rkung der Symptomatik f\u00fchrt. Wer trotzdem unbedingt mal wieder Alkohol trinken m\u00f6chte, der sollte am besten auf destillierte Arten ausweichen: Vodka, wei\u00dfer Rum, Gin oder Whiskey sind oft am wenigsten sch\u00e4dlich.<\/p>\n Softdrinks und S\u00e4fte enthalten oft Histamin oder Histaminliberatoren und sollten deshalb am besten komplett gemieden werden. Stilles Wasser oder Tees sind ein sicherer Hafen f\u00fcr HIT-Patienten – und \u00fcbrigens auch f\u00fcr alle anderen Menschen die ges\u00fcndeste Wahl. Auch Kaffee wird nicht von allen problemlos vertragen.<\/p>\n Es gibt grunds\u00e4tzlich keine Medikamente, die eine Histaminintoleranz heilen k\u00f6nnen. Allerdings gibt es Hilfsmittel, die das Leben mit der Enzymschw\u00e4che erleichtern k\u00f6nnen. Zun\u00e4chst kann man die k\u00f6rpereigenen Enzyme durch das Zuf\u00fchren fremder DAO-Enzyme unterst\u00fctzen. Das Medikament DAOsin<\/strong> enth\u00e4lt Enzyme aus Schweined\u00e4rmen, die schon im Magen anfangen, das Histamin aus der Nahrung aufzuspalten. Allerdings werden auch diese irgendwann vom K\u00f6rper als Fremdstoffe erkannt und zersetzt. Deshalb erfolgt bei vielen auch eine Art Gew\u00f6hnungseffekt – damit das Medikament effektiv bleibt, sollte es nur in Ausnahmef\u00e4llen eingenommen werden, sonst bleibt die Wirkung irgendwann aus.<\/p>\n Auch f\u00fcr den Zustand, den ich oben als \u00e4hnlich einem Alkohol-Kater beschrieben habe, gibt es Unterst\u00fctzung: Histaminblocker bzw. Antihistaminika<\/strong>. Eigentlich sind diese Medikamente f\u00fcr Allergiker entwickelt worden, sie hemmen eine Reaktion des K\u00f6rpers auf einen allergenen Stoff. Auch bei einer allergischen Reaktion wird k\u00f6rpereigenes Histamin ausgesch\u00fcttet, deshalb kann ein Histaminblocker auch bei einem erh\u00f6hten Histaminpegel durch Nahrungsmittel oder Histaminaussch\u00fcttung aus anderen Gr\u00fcnden helfen. Dazu werden die Histaminrezeptoren im K\u00f6rper blockiert – das Histamin wird dadurch zwar nicht schneller abgebaut, allerdings m\u00fcssen wir die Wirkung nicht ertragen.<\/p>\n Schlie\u00dflich komme ich zur eigentlich entscheidenden Frage: Was kann man tun, au\u00dfer bestimmte Nahrungsmittel zu meiden, wenn man von der Diagnose HIT betroffen ist?<\/p>\n Zun\u00e4chst ist es wichtig zu verstehen, dass ein Enzymmangel nicht als isolierter Zustand<\/strong> betrachtet werden kann. Nat\u00fcrlich gibt es Menschen, die eine nat\u00fcrliche Disposition, d.h. genetische Veranlagung f\u00fcr Verdauungsst\u00f6rungen wie die Histaminintoleranz mitbringen. In der Regel wird das Auftreten der Problematik aber bei allen Menschen ausgel\u00f6st durch andere Erkrankungen oder einen schwachen Allgemeinzustand des K\u00f6rpers. Wer also denkt, mit der Diagnose „Histaminunvertr\u00e4glichkeit“ sei der Weg beendet und er m\u00fcsse nun ’nur‘ die entsprechenden Nahrungsmittel meiden, um eine Besserung zu erzielen, der irrt sich.<\/p>\n Darmgesundheit \u00fcberpr\u00fcfen<\/strong><\/p>\n Es gibt immer eine Ursache<\/strong> f\u00fcr das auftreten der Histaminintoleranz. Die am h\u00e4ufigsten angenommene Ursache ist eine Fehlbesiedelung der Darmflora<\/strong>. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr k\u00f6nnen vielf\u00e4ltig sein und reichen von falschen Lebenswandel, zu viel Stress bis zur Einnahme von Antibiotika oder einer Autoimmunerkrankung. Meiner Meinung nach weist eine derarte Verschlechterung der Darmgesundheit uns meistens auf einen Fehler im Lebensstil hin: zu viel Stress, zu wenig Ruhepausen, dauerhafte psychische Belastung, zu viel Umweltgifte, Alkohol, Zigaretten oder anderes. Unser empfindliches System K\u00f6rper ist aus dem Gleichgewicht geraten und das \u00e4u\u00dfert sich nun auf diese Weise.<\/p>\n Allgemeinzustand stabilisieren<\/strong><\/p>\n Es gilt also, die krank machenden Faktoren im eigenen Leben zu erkennen und zu verbessern. Um sich aber zuerst einmal aus dem wirklich unangenehmen und schw\u00e4chenden Zustand zu befreien, empfiehlt sich eine streng histaminarme Di\u00e4t f\u00fcr mindestens 3 Monate<\/strong>. In dieser Zeit k\u00f6nnen K\u00f6rper und Darm sich erholen und wieder anfangen, normal zu arbeiten. Um die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen, empfiehlt sich eine Darmsanierung bzw. Darmkur mit probiotischen Bakterien<\/strong>. F\u00fcr sehr akute F\u00e4lle, wie ich es damals war, gibt es im Bayerischen Wald eine Klinik f\u00fcr Umwelterkrankungen<\/a>, die ich sehr empfehlen kann.<\/p>\n In der Zeit der Auslassdi\u00e4t ist es wichtig, darauf zu achten, dass der K\u00f6rper alle wichtigen N\u00e4hrstoffe und Vitamine bekommt. Im Zweifelsfall kann man mit Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln<\/strong> nachhelfen. Auch sp\u00e4ter, wenn sich der K\u00f6rper wieder etwas beruhigt hat und man wieder mehr Lebensmittel vertr\u00e4gt, ist es wichtig, auf ausreichend Mineralstoffe und Vitamine zu sorgen: Magnesium, Zink und Kupfer ben\u00f6tigt der Darm f\u00fcr die ordentliche Funktion des Enzyms DAO.\u00a0Vitamin B und C werden f\u00fcr Synthese von DAO ben\u00f6tigt bzw. f\u00f6rdern den\u00a0Histaminabbau.<\/p>\n Dem einen oder anderen ist es vielleicht aufgefallen: Ich spreche im Text \u00fcber meine HIT in der Vergangenheit. W\u00e4hrend ich \u00fcber die Jahre mit eben beschriebenen Ma\u00dfnahmen schon eine enorme Verbesserung und ein fast normales Leben erzielen konnte, ist sie mittlerweile ganz verschwunden. Und zwar etwa seit meiner 12. Schwangerschaftswoche. Um das Ungeborene zu sch\u00fctzen, produziert die bis dahin vollst\u00e4ndig ausgebildete Plazenta in den Schwangerschaftswochen<\/a> n\u00e4mlich ein Vielfaches der normalen Menge an Enzymen (DAO), sodass Schwangere ab diesem Zeitpunkt symptomfrei<\/strong> sind. Auch in der darauffolgenden Stillzeit bleibt, vermutlich durch die Hormonumstellung, die Unvertr\u00e4glichkeit meistens aus.<\/p>\n F\u00fcr mich war das eine wahnsinnig sch\u00f6ne Erfahrung. Zum ersten Mal seit vielen Jahren musste ich im Restaurant nicht mehr das Gericht w\u00e4hlen, das am wenigsten Schaden anrichtet, sondern das, worauf ich am meisten Lust hatte.<\/p>\n Nach einem sch\u00f6nen Abendessen beim Italiener wird die Stimmung pl\u00f6tzlich getr\u00fcbt von akuten Bauchschmerzen, Durchfall, \u00dcbelkeit. Wem das bekannt vorkommt, der leidet m\u00f6glicherweise an einer noch relativ unbekannten Krankheit: Histaminintoleranz (Histaminose). Was genau sich hinter diesem Begriff verbirgt und warum die Symptome so diffus sind, l\u00e4sst sich schwerlich auf die Schnelle erkl\u00e4ren. Nach einer kurzen … Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":450,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,6],"tags":[8,10,51],"yoast_head":"\nWas ist eine Histaminunvertr\u00e4glichkeit?<\/h5>\n
Welche Symptome k\u00f6nnen auftreten?<\/h5>\n
\n
Wer stellt eine Histaminunvertr\u00e4glichkeit fest?<\/h5>\n
Histamin in Lebensmitteln- Was darf\u00a0ich (nicht)\u00a0essen?<\/h2>\n
Nahrungsmittel<\/h5>\n
Alkohol und andere Getr\u00e4nke<\/h5>\n
Histaminintoleranz heilen: Was kann ich tun?<\/h2>\n
Gibt es Medikamente, die helfen oder heilen k\u00f6nnen?<\/h5>\n
Was hilft wirklich bei Histaminintoleranz?<\/h5>\n
Histaminunvertr\u00e4glichkeit und Schwangerschaft bzw. Stillzeit<\/h5>\n
Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/h5>\n
\n