Meine Erfahrungen mit der Grinberg Methode als Therapie

Meine Erfahrungen mit der Grinberg Therapie – mein Versuch, einem sehr alten Schmerz beizukommen. Seit etwa 7 Jahren leide ich unter chronischen Nackenschmerzen, für die keine organische Ursache auszumachen ist. Vor kurzem habe ich einige Sitzungen nach der Grinberg Methode versucht, um eine Verbesserung zu erzielen. Was genau bei einer solchen Sitzung passiert und ob es mir geholfen hat, möchte ich hier erzählen.

Durch Zufall bin ich in den sozialen Medien auf einen jungen Mann ganz in der Nähe gestoßen, der im Rahmen seiner Ausbildung zum Grinberg Therapeuten eine Gratis-Sitzung anbot. Ich hatte von der Grinberg Methode noch nie etwas gehört und war neugierig. Nach kurzem Einlesen vereinbarte ich einen Termin. Ich stellte mir eine Art Massage vor, vor allem weil ich viel von den Füßen gelesen hatte und Körperarbeit.

Die Vorbereitung zur ersten Sitzung der Grinberg Methode

Mein Baby war noch sehr klein, ich musste ihn also mitnehmen und hatte eine Freundin als Babysitterin einbestellt. Die war leider nur viel zu spät und so fingen wir schon mal an, ich mit Baby auf dem Arm. Johannes, der Therapeut, war ganz anders, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Er war sehr vorsichtig und fast etwas schüchtern. Er schien von seinem Fach zwar Ahnung zu haben, aber absolut nicht davon, wie man mit Patienten, oder Klienten, wie sie im Rahmen der Grinberg Methode genannt werden, umgeht. Auch das Kind verunsicherte ihn merklich.

Trotzdem stellte er mir viele Fragen über den Grund, warum ich gekommen war, meine Nackenschmerzen also. Wie genau fühlt sich der Schmerz an, wann tritt er auf oder wann nicht, seit wann habe ich die Schmerzen usw. Die Antworten notierte er sich, genauso wie anscheinend nach jeder Sitzung. Denn obwohl er viele Klienten hatte, konnte er sich doch an recht viele Details erinnern bzw. dort wieder ansetzen. Nach der Fragerunde bat er mich, meine Socken auszuziehen und studierte meine Füße sehr, sehr genau. Allerdings war da nicht wie erwartet eine Art Fußmassage, sondern er musterte sie nur sehr lange und machte sich skizzenhaft eine Zeichnung dazu. Ich weiß bis heute nicht, was genau er gesehen hat, dazu hat er nichts erklärt.

Überhaupt hat er während all der Sitzungen sehr selten eine Meinung abgegeben oder mir erklärt, warum wir etwas machen. Erst allmählich habe ich verstanden, dass es nicht darum geht, die Ursache für den Schmerz zu finden oder darum, dass er sie beseitigt. Es geht bei der Grinberg-Methode nicht um richtig oder falsch, sondern darum, dass ich einen Weg finde, besser mit dem Schmerz umzugehen oder ihn sogar ganz gehen zu lassen. Anfangs war das für mich sehr befremdlich, denn ich bin ein Kopfmensch und habe immer versucht, mir aus alldem einen Reim zu machen und zu verstehen, warum oder ob etwas funktionieren kann, was er tut.

Die erste Sitzung

Insgeheim hatte ich bereits den Entschluss gefasst, es bei dieser einen Sitzung zu belassen. Als meine Babysitterin dann endlich eingetroffen war, wechselten wir das Zimmer und Johannes bat mich, mich auf eine große, hohe Liege in der Mitte des Raumes zu legen. Ich lag auf dem Rücken und schloss die Augen. Er legte seine Hände auf meinen Brustkorb und bat mich, ganz tief zu atmen, mir „Raum zu machen mit dem Atem“. Hin und wieder tippte er mit den Fingern auch andere Stellen an meinem Oberkörper an, aber hauptsächlich bestand die erste Sitzung aus atmen. Mehr nicht, nur tief atmen.

Immer wieder fragte er mich, wie ich mich fühle. Ich sollte verbalisieren, wie mein Körper oder bestimmte stellen meines Körpers sich anfühlen. Mir ist das wahnsinnig schwer gefallen. Rückblickend betrachtet denke ich, dass meine Körperwahrnehmung noch nie die beste war, d.h. ich habe viele Signale meines Körpers einfach ignoriert oder nicht weiter darüber nachgedacht. Nicht verwunderlich, dass mir dafür die Worte und Konzepte fehlten. Und auch hier zeigte sich wieder, dass ich die meisten Sachen erst durchdenke, bevor ich spreche oder handle. So konnte ich auf die Frage, wie ich mich jetzt fühle, oft keine echte Antwort geben. Im Laufe der Sitzungen wurde das aber viel besser.

Zum Ende der Sitzung war ich, zu meinem eigenen Erstaunen, absolut tiefenentspannt. Es viel mir schwer, aufzustehen und ich muss laut meiner Freundin ausgesehen haben, als hätte ich da drin einen ordentlichen Joint geraucht. Meine Augen waren ganz klein und müde und ich musste mich im Nebenraum erst einmal hinsetzen und wieder zu mir kommen. Dieser Zustand war so abgefahren und unerwartet – immerhin hatten wir in meinen Augen nicht wirklich etwas gemacht, nur ein wenig geatmet – dass ich beschloss, wieder zu kommen. Ich war interessiert, wie das Ganze weitergehen würde und ob Johannes mir helfen könnte.

Meine weiteren Erfahrungen mit der Grinberg Therapie

Johannes hatte schon angedeutet, dass das „sehr anstrengend“ für mich gewesen sei. Das wurde mir spätestens bewusst, als ich zu Hause angelangt war und, was eher ungewöhnlich ist für mich, am Nachmittag zwei Stunden schlafen musste. Beim nächsten Besuch wurde die Sache sogar noch verrückter: Wieder ging es hauptsächlich um’s Atmen. Diesmal fing zuerst mein Gesicht an, leicht zu kribbeln. Am Ende der Sitzung konnte ich meinen kompletten Körper nicht mehr bewegen, ich war wie gelähmt. Meine Freundin brachte meinen Kleinen, der brüllte wie am Spieß, weil er zu mir auf den Arm wollte. Ich konnte ihn nicht nehmen, selbst nicht, nachdem ich aufgestanden war, weil meine Arme nicht genug Kraft hatten. Es hat einige Minuten gedauert, bis ich wieder in der Lage war, meinen Körper zu beherrschen.

Und so habe ich während der ca. 15 Sitzungen viele verschiedene Reaktionen bei mir beobachtet. Während hin und wieder auch gar nichts passiert ist, war ich andere Male sehr niedergeschlagen und traurig, müde und kaputt oder wurde krank. Einmal hatte ich zum Ende der Sitzung hin ein so wahnsinnig schönes und friedliches Gefühl, von dem ich mir wünschte, dass es nie vorbeigehen möge. Den restlichen Tag war ich ausgesprochen glücklich und gut gelaunt.

Was bringt die Grinberg Therapie?

Johannes hat mich oft gefragt, ob ich nicht unzufrieden bin oder Angst bekomme, dass das alles so passiert. Aber für mich hat sich alles richtig angefühlt. So als müsse das alles passieren, weil gewisse Dinge einfach raus müssen, ich auch schlechte Gefühle erleben und zulassen muss, um sie zu verarbeiten. Ich habe in dieser Zeit sehr viel über meinen Körper gelernt bzw. wahrgenommen ,was ich vorher nicht wahrnehmen konnte. Z.B. dass ich in vielen Situationen meine Gesichtsmuskeln anspanne und mit dem Kiefer fest aufeinander beiße, ohne mir darüber bewusst gewesen zu sein. Heute merke ich das und kann mich entscheiden, das nicht zu tun. Ich musste feststellen, dass ich in den meisten Situationen sehr flach atme. Wenn ich angespannt bin, höre ich fast ganz auf zu atmen. Ich habe gelernt, tiefer und ausgeglichener zu atmen und auf meinen Atem zu achten, wenn der Nackenschmerz kommt.

Ich kann jetzt viel, viel besser entspannen als früher. Weil ich die Muskelpartien in meinem Körper kenne, die meistens unbewusst anspannen und auch die loslassen kann. Wenn ich jetzt abends im Bett liege und abschalten will, gehe ich wie auf einer Landkarte durch meinen Körper und checke, ob alles entspannt ist.

Ist der Schmerz weg?

Nein. Mein Nacken schmerzt noch immer, wenn ich zu schwer trage. Allerdings kann ich mit dem Schmerz jetzt anders umgehen. Ich kann lokalisieren, woher er kommt – interessanterweise ist das nämlich ein bestimmter Punkt in meiner Schulter, der zuerst kribbelt, danach schmerzt der Halswirbel. Und ich kann den Schmerz durch Atmen und eine bewusste Körperhaltung länger auf einem ertragbaren Level halten. Weg ist er leider nicht.

 

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