Ist Neurodermitis erblich?

4. Juni 2018

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Wie ich seit der fünften Klasse aus dem Biologieunterricht weiß, ist die Vererbung dafür verantwortlich, dass Kinder ihren Eltern und Großeltern ähneln. Menschen verfügen bekanntermaßen über 46 Chromosomen. Bei der Zeugung werden die väterlichen und mütterlichen Chromosomen „gemischt“ und verschiedene Eigenschaften an das Kind weitergegeben. Es gehört zum Allgemeinwissen, dass zum Beispiel Augenfarbe oder Größe und leider auch gefürchtete Erbkrankheiten an den Nachwuchs weitervererbt werden. Weiter ist eine Neigung zu Diabetes, Bluthochdruck oder Fettleibigkeit häufig erblich bedingt.

Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen. In Deutschland sind über zehn Prozent aller Kinder betroffen. Bei Neurodermitis kann die Haut ihre Barrierefunktion nicht mehr optimal erfüllen. Sie ist trocken, juckt und ist sehr empfindlich. Im Internet kann man mit dem Erlanger Atopie-Score ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, an Neurodermitis zu erkranken.
Leider gehört auch mein zweijähriger Sohn zu den Erkrankten. Im Babyalter hatte er starken Kopfgneis (umgangssprachlich Milchschorf genannt) und seine Hautfalten entzündeten sich sehr schnell. Mit fast 2 Jahren begann dann das große Jucken, im Sommer kratzte er sich an Armen und Beinen die Haut auf und konnte nachts nicht richtig schlafen vor Juckreiz.

Ist Neurodermitis erblich?

Natürlich fragten wir uns, woher diese Krankheit kommt, denn ich hatte als Kind keine derart starken Probleme. Tatsächlich aber wird die erbliche Veranlagung als ein Hauptfaktor für das Entstehen von Neurodermitis angegeben Es wurden in den letzten Jahren von Forschern Hinweise auf einen Gendefekt auch bei Neurodermitis entdeckt.Deshalb habe ich mich auf Spurensuche in der Familie gemacht.

Meine Oma (Jahrgang 1914) hatte als Kind alle Anzeichen einer Neurodermitis, auch wenn damals solchen juckenden und nässenden Hautirritationen keine große Beachtung geschenkt wurde. Diese Neigung zu Neurodermitis hat meine Oma an viele ihrer Nachkommen vererbt. Meine Mutter hatte als junge Frau jahrelang juckende Stellen in den Ellbeugen und unter den Knien. Ich selbst hatte als Kind eine milde Form der Neurodermitis und zwei meiner Cousins litten ebenfalls daran. Mein Mann müht sich seit seiner Kindheit mit allergischem Asthma, Heuschnupfen und verschiedenen Nahrungsmittelallergien ab. Bei so viel erblicher Vorbelastung steigt natürlich das Erkrankungsrisiko laut aktuellen Erkenntnissen stark. Neurodermitis ist also an sich nicht erblich, die Veranlagung dazu aber sehr wohl.

Neurodermitis – Was hilft?

Es gibt mittlerweile im Internet viele Seiten, die sich genau mit diesem Thema beschäftigen. Sicher ist das Interesse auch deshalb so groß, weil die Zahl der Neurodermitis Patienten in den letzten Jahrzehnten insbesondere in den Industriestaaten deutlich steigt. Wie bei vielen anderen Krankheiten auch, spielt nicht nur die genetische Veranlagung eine Rolle, sondern es entscheiden jeweils Umweltfaktoren, ob sie ausbricht. Wissenschaftler vermuten, dass unser Lebensstil, übertriebene Hygiene und die Luftverschmutzung dazu beitragen, dass die erbliche Veranlagung zur Neurodermitis immer häufiger durchkommt. Was letztendlich die genaue Ursache für Neurodermitis ist und wieso sie wann ausbricht, ist immer noch nicht geklärt.

Da man die äußeren Faktoren nicht ganz ausschalten kann und Ärzte auch nicht wissen, was genau zur Erkrankung führt, ist Vorbeugen und Vorsorgen immer noch die einzige Möglichkeit. Wie wir es geschafft haben, dass unser Sohn nicht zu sehr unter seiner erblichen Veranlagung leidet, berichte ich im Folgenden:

In Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt, einem Heilpraktiker und detektivischer Kleinarbeit haben wir die Krankheit zwar nicht heilen können. Aber wir haben mit unserem Sohn einen Weg gefunden, dass er beschwerdefrei leben kann und seine Haut rosig und geschmeidig ist, wie es bei einem kleinen Kind sein sollte.

  • Als die Haut besonders übel aussah, hat uns ein anthroposophischer Kinderarzt eine Heilsalbe (ohne Kortison), homöopathische Arzneimittel und Globuli verordnet.
  • Ich habe 6 Monate voll gestillt. Ab dem 6. Monat habe ich schrittweise Beikost eingeführt. Ich habe meinem Kind keine industriell vorgefertigte Breinahrung gegeben, sondern ihn von Anfang an am Familientisch mitessen lassen. Dabei habe ich darauf geachtet, was er isst und wie er darauf reagiert. Stark Allergie-auslösende Lebensmittel wie Nüsse oder Soja gab es erst nach dem 2. Geburtstag und ich habe immer genau beobachtet, welche Wirkung die Lebensmittel auf meinen Sohn haben. Viele Lebensmittel verstärken bei ihm die Symptome. Das mussten wir schrittweise und mit viel Gespür und Beobachtung herausfinden.
  • Frische Äpfel und Birnen, Himbeeren, Weizenprodukte, Kuhmilch und vieles mehr ist aus dem Speiseplan gestrichen. Industriezucker habe ich von Anfang an ganz weggelassen. Zucker hat keinerlei Mehrwert für den Organismus und belastet ihn nur unnötig.
  • Wir verwendeten Waschmittel aus dem Bioladen und verzichteten von Anfang an auf Weichspüler. Meine Waschmaschine habe ich so eingestellt, dass der Spülgang länger dauert und mehr Wasser zum Spülen verwendet wird. So bleibt weniger Waschmittel im Textil zurück.
  • Ich habe Stoffwindeln verwendet, die nicht gebleicht sind und umweltfreundlich. Wann immer es möglich war, habe ich meinen Sohn von Anfang an über der Toilette „abgehalten“, so dass die Windel selten nass oder voll war.
  • Dass ich meinen Sohn von Zigaretten-Rauch fernhalte und auch selbst nicht rauche, ist für mich selbstverständlich.
  • Da Autoabgase und Feinstaub Neurodermitis, Asthma und Heuschnupfen begünstigen, habe ich zur Hauptverkehrszeit nicht gelüftet und für Spaziergänge weniger befahrene Straßen bevorzugt.
  • Teppichböden und andere Staubfänger im Zimmer habe ich entfernt. Ich habe meinem Sohn keine Plüschtiere zum Spielen gegeben und keine Wollkleidung angezogen. Nach Möglichkeit habe ich gebrauchte Kinderkleidung besorgt, da alle Schadstoffe bereits herausgewaschen waren.
  • Dafür durfte unser Kind immer viel draußen spielen, sich schmutzig machen und auch in Kontakt mit Tieren kommen. Eine keimfreie Umgebung ist für Neurodermitiker nicht hilfreich.
  • Mit etwa einem Jahr haben wir zum ersten Mal probiotische Bakterien verabreicht. Mit Ausbruch der starken Neurodermitis achtete ich mehr und mehr darauf, dass er darmfreundliche Lebensmittel zu sich nimmt (Probiotika und Präbiotika).
  • Ganz wichtig war auch die richtige Körperpflege. Ich habe mein Kind nicht zu oft, nicht zu heiß, nicht zu lang und ohne Bade Zusätze gebadet, um seine Haut nicht unnötig auszutrocknen. Ich habe zum Eincremen ein naturbelassenes Hautpflegeprodukt ohne Paraffin, Konservierungsmittel, Duft- und Farbstoffe verwendet.
  • Wir haben festgestellt, dass Stress die Neurodermitis verstärkt. Nach einem Umzug waren die Symptome sehr ausgeprägt. Deshalb versuchen wir, meinen Sohn möglichst keinem unnötigen Stress auszusetzen. Dazu gehört, dass er ausreichend lange schläft, der Tagesablauf entspannt ist und er genügend Zeit bekommt das zu tun, was ihm gefällt.

Fazit

Auch wenn Neurodermitis erblich ist, weil die Veranlagung dazu weitergegeben wird, ist die Schwere der Ausprägung und ob sie überhaupt ausbricht von äußeren Faktoren abhängig. Das heißt, dass man durch einen gesunden Lebensstil und Allergieprävention viel tun kann. Meiner Erfahrung nach ist die Haut als größtes Sinnesorgan des Menschen ganz eng verbunden mit der Gesundheit des Darms. Manche gehen sogar so weit zu behaupten, dass der Darm und die Haut dasselbe Organ, derselbe “Schlauch” eines Menschen sind. Das bedeutet, dass sich ein Ungleichgewicht im Darm meist an der Haut ablesen lässt. Während man an der Haut häufig nur die Symptome behandeln kann, z.B. durch Cremen oder verbinden, lässt sich im Darm viel eher die Ursache bekämpfen. Deshalb haben auch viele Neurodermitiker gute Erfahrungen mit histaminarmer oder säurearmer Ernährung gemacht.

Wie bei allen chronischen Krankheiten darf man Neurodermitis nicht als isoliertes Symptom betrachten und behandeln. Es handelt sich in meinen Augen nicht um eine reine Hautkrankheit. Vielmehr ist der Organismus aus dem Gleichgewicht geraten und die Haut als erblich bedingt empfindlichstes Organ äußert das als erstes. Anstatt einfach die Symptome zu unterdrücken sollte man darum viel mehr auf einen insgesamt passenden Lebensstil achten.

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By Johanna

Johanna ist Anfang 30, verheiratet, 1 Kind. Obwohl das Leben ihr schon immer zuzulächeln scheint, ist sie immer noch auf der Suche. Denn vor allem gesundheitlich ist der Weg noch weit.

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