Histaminintoleranz: Ursache Östrogendominanz?

5. Dezember 2016

Histaminintoleranz Östrogendominanz Ursache

Vor kurzem bin ich im Rahmen einer Recherche zum Thema Histaminintoleranz nach der Stillzeit auf einen Zusammenhang gestoßen, der mir in dieser Form bisher  neu war: Eine Histaminintoleranz kann unter Umständen auch verursacht werden durch eine sog. Östrogendominanz. Das heißt, das Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron im Hormonhaushalt ist gestört. Die Auswirkungen sind gravierend.

Ein Großteil der von einer Histaminintoleranz betroffenen Menschen sind Frauen. Da liegt ein Zusammenhang mit den Hormonen natürlich nahe. Aufgrund dieser Vermutung hatte ich bereits 2010, also vor 6 Jahren, meine Anti-Baby-Pille abgesetzt. Leider war keine unmittelbare Verbesserung zu spüren. Erst mit den zunehmenen Auswirkungen meiner Schwangerschaft Anfang 2015 waren die Symptome meiner Histaminintoleranz plötzlich wie weggeblasen. Ich konnte, zum ersten Mal seit vielen Jahren, endlich alles essen, ohne mir Gedanken zu machen oder hinterher zu leiden. Dass dies auf eine Erhöhung des DAO-Spiegels durch die Plazenta um das etwa 300-fache zurückzuführen ist, hatte ich schnell herausgefunden.


Doch warum genau die HIT auch in der Stillzeit wegblieb, war mir schleierhaft. Musste irgendwas mit den Hormonen zu tun haben, klar. Aber was?

Der Zusammenhang zwischen Histaminintoleranz und Östrogendominanz

Leider gibt es viele Punkte, die auch die Forschung im Bezug auf Histamin und Östrogen noch nicht genau kennt. Scheinbar ist es aber so, dass eine gegenseitige Wechselbeziehung zwischen den beiden Botenstoffen besteht. Sie benötigen beide Vitamin B6, um zu arbeiten bzw. abgebaut zu werden. Wenn also viel Östrogen im Körper zersetzt werden muss, bleibt wenig Vitamin B6, damit das Enzym DAO richtig arbeiten und Histamin im Darm abbauen kann. Gleichzeitig regt ein hoher Histaminspiegel im Körper möglicherweise die Bildung des Sexualhormons Östrogen an. Ein Teufelskreis entsteht, aus dem man sich nur auf einem Weg befreien kann: Warten und Histamin im Körper, egal aus welchen Quellen, vermeiden.

Was ist eine Östrogendominanz?

Von einer Östrogendominanz spricht man, sobald das Verhältnis zwischen den Hormonen Progesteron und Östrogen nicht ausgewogen ist und dadurch zu wenig Progesteron zur Verfügung steht. Wichtig ist nicht der absolute Wert, sondern das Verhältnis von Östrogen zum Progesteron (Gelbkörperhormon).

Diese Tatsache bzw. deren Auswirkungen sind vielen Ärzten in Deutschland noch unbekannt. Daher wird häufig nur der Östrogenspiegel gemessen und ein Mangel festgestellt – und behandelt. Doch auch bei einem Östrogenmangel kann noch eine Östrogendominanz vorliegen, wenn der Progesteron-Mangel noch gravierender ist. Eine Behandlung ausschließlich mit Östrogen verschlimmert die Symptome natürlich noch weiter.

Symptome einer Östrogendominanz

Dass eine Histaminunverträglichkeit in Zusammenhang steht mit einer Östrogendominanz kann man im konkreten Fall dadurch beobachten, dass die histaminabhängigen Beschwerden zyklusbedingt variieren, egal, was man gegessen hat. Viele Frauen mit einer Östrogendominanz leiden unter PMS (Prämentruales Syndrom), d.h. sie haben starke Schmerzen vor bzw. während der Regelblutung. Das kann unter anderem daher kommen, dass Histamin die Kontraktion der Gebärmutter fördert. Deshalb schützt sich der Körper während einer Schwangerschaft ja auch vor einem zu hohen Histaminspiegel – es würde die Gefahr vorzeitiger Wehen bestehen.

Weitere Symptome bzw. Folgen können sein:

  • Depressive Verstimmungen von bis zu einer Woche, Angstzustände
  • Gewichtszunahmen, Ödeme (Wassereinlagerungen), Trombosen und Embolien
  • Konzentrationsschwierigkeiten bis hin zum Gedächtnisverlust
  • Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit
  • Einerstock-Zysten
  • empfindliche Brüste
  • Schnellere Hautalterung
  • Schockreaktionen im Körper (dauerhafte Stresszustände)

Ursachen einer Östrogendominanz

Doch wie kommt ein Hormonspiegel aus dem Gleichgewicht? Bei mir persönlich vermute ich nach diesen Informationen mehr denn je einen Zusammenhang mit der Anti-Baby-Pille, die erheblich in den weiblichen Hormonhaushalt eingreift – in meinem Fall über viele Jahre hinweg.

Häufig stellt sich der körpereigene Hormonhaushalt bei Frauen in den Wechseljahren um oder nach einer Schwangerschaft. Auch gynäkologische Erkrankungen oder eine Erkrankung der Schilddrüse können Ursache einer Östrogendominanz sein. In der Tat gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Östrogendominanz, Histaminintoleranz und Schilddrüsenunterfunktion bzw. Hashimoto-Syndrom (einer Autoimmunkrankheit, die zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt).

Auch die vermehrte Aufnahme von Östrogen aus Nahrungsmitteln bzw. Kleidung oder Kosmetika kann zu einer Störung des Hormon-Gleichgewichtes führen. Tierische Lebensmittel sind zum Teil erheblich mit Östrogenrückständen belastet, das zur Tiermast eingesetzt wird.

Was kann ich tun?

Diagnose

Wer den Verdacht hat, unter einer Östrogendominanz zu leiden, sollte das ärztlich abklären lassen. Leider sind nicht alle Ärzte für solch komplexe Themen offen und schicken ihre Patienten lieber mit einer einfacheren Diagnose nach Hause. PMS oder Migräne klingt doch gut, oder? Lasst euch davon nicht unterkriegen. Besteht auf eine Überweisung zum Spezialisten, findet einen Arzt, der sich damit auskennt – oder werdet selbst zum Spezialisten. Wenn man beim Arzt, auch bei einem, der nicht daran glaubt, auf einen bestimmten Test besteht, kommt man meistens durch. Spätestens, wenn man androht, sich bei der Ärztekammer oder Krankenkasse zu beschweren.

Was ihr braucht, ist ein sog. Hormonstatus. Den kann man über den Speichel oder über das Blut feststellen. Wichtig ist, dass nicht nur das Östrogen, sondern das Verhältnis zwischen Östrogen und Progesteron gemessen wird. Nur so kann man sagen, ob eine Östrogendominanz vorliegt.

Wer dies völlig unabhängig von Ärzten erfahren möchte, kann auch einen Östrogendominanz Test auf Amazon bestellen. Mit Hilfe einer Speichelprobe, die ihr einschickt, wird der Hormonstatus bestimmt und das Ergebnis zu euch nach Hause geschickt.

Therapie

Eine leichte Östrogendominanz lässt sich in manchen Fällen durch natürliche Lebensmittel bzw. Nahrungsergänzungsmittel behandeln. Folgende Lebensmittel enthalten Substanzen, die im Körper ähnlich wirken wie Progesteron. Dadurch wird der Östrogendominanz entgegen gewirkt:

All diese Lebensmittel kann man ganz einfach online bestellen. Wenn diese natürlichen Heilmittel nicht helfen, kann man auch mit Progesteron aus der Apotheke behandeln.

Östrogendominanz in der Stillzeit

In meinem persönlichen Fall macht es aktuell noch nicht wirklich Sinn, diesen Test durchzuführen, denn ich stille nach wie vor meinen Sohn. Zwar hat sich etwa 14 Monate nach der Geburt mein Hormonhaushalt umgestellt, ich habe meine Regelblutung wieder bekommen und seitdem auch wieder die Symptome einer Histaminintoleranz. Trotzdem wird mit jedem Stillen Progesteron ausgeschüttet. Das Verhältnis kann also noch nicht als aussagekräftig gesehen werden.

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By Johanna

Johanna ist Anfang 30, verheiratet, 1 Kind. Obwohl das Leben ihr schon immer zuzulächeln scheint, ist sie immer noch auf der Suche. Denn vor allem gesundheitlich ist der Weg noch weit.

6 Comments

  1. Antworten

    Julia

    Toller Artikel, vielen lieben Dank!!

  2. Antworten

    Simona

    Hallo Johanna,
    vielen Dank für die wichtige Info. Ich leide unter Östrogendominanz und unter Histaminintoleranz, wäre aber nie auf einen Zusammenhang gekommen. Da muss ich mich gleich mal noch genauer damit befassen. Dir alles Gute.
    Simona

  3. Antworten

    mary

    hallo,
    wie kann man das aber mit der Pille genau bestimmen?
    danke

    1. Antworten

      Johanna

      Ich denke / glaube, mit Einnahme der Pille erzeugt man automatisch eine Östrogendominanz. Wobei die “Hormone”, die man mit der Pille einnimmt, keine natürlichen Östrogene sind, sondern in ihrer chemischen Formel leicht abgewandelte. Auf diese Weise reicht es, die Pille einmal täglich einzunehmen. Würde man echte Hormone verwenden, müsste man mindestens alle paar Stunden welche Einnehmen. Welche langfristigen Auswirkungen diese künstlichen Hormone auf den Körper haben, ob sie z.B. Krebs begünstigen, ist nach wie vor umstritten. Für mich war es einer der ersten Schritte, die Pille abzusetzen. Ich würde dir sehr ans Herz legen, dich damit zu befassen, was für Auswirkungen die Pille auf dich und deine Gesundheit hat.
      Bezüglich der Östrogendominanz vermute ich, dass der Test auch die künstlichen Hormone der Pille mit einschließt. Ob die Dominanz nun durch die Pille kommt oder nicht, ist egal. Auswirkungen sind dieselben.

  4. Antworten

    Stine

    Hallo Johanna,
    ich bin nicht der große Kommentare Schreiber aber Dein Artikel ist so spitze, ich musste ein paar Worte schreiben.
    Ich habe bereits einen jahrelangen Leidensweg hinter mir. Einiges begann bereits in meiner Kindheit. Richtig schlimm wurde es aber gegen Ende der Schwangerschaft, bzw. nach der Entbindung. Meine Symptome und Probleme wurde immer schlimmer und heftiger, soweit, dass ich sogar meine Arbeit aufgeben musste.
    Zusätzlich zu meinem Leidendruck durch zahlreiche Symptomatiken, war und bin ich immer wieder mit Vorurteilen und Schubladendenken konfrontiert. Leider auch stark von ärztlicher Seite. Einmal in der Schublade “Psychosomatisch” kommt man da schwer wieder heraus und wird auch kaum ernst genommen. Dazu kommt, das ich unter Gewichtsproblemen leide, mein Kampf den Ärzten glaubhaft zu machen, das es definitiv nicht an meiner Ernährung liegen kann hat mich psychisch unglaublich belastet.
    Es gab unzählige intensive Diskussionen mit Ärzten und ich habe viele Ärzte gewechselt. Dann bin ich an Ärzte geraten die mich endlich auch ernst genommen haben und auch meinen Leidensdruck erkannten. Und schon kamen wir ein Stück weiter. Zuerst wurde eine Schildrüsenunterfunktion festgestellt. Seit ich dafür Medikamente nehme, habe ich (bei gleicher Ernährung) 40 kg einfach so abgenommen.
    Dann kam mein Lungenarzt auf die Sache mit dem Histamin. Und er lag richtig. Ich habe eine Histamose. dazu eine Licht-und Wärmeallergie (Urtikaria)
    Ich habe also meine Ernährung von eigentlich gesund umgestellt auf so Histaminarm wie möglich. Zusätzlich mit Antihistaminika. Trotzdem bekommen wir es einfach nicht richtig in den Griff und ich hatte sogar schon einen schlimmen Krampfanfall. Es ist zum verzweifeln.
    Meine Apothekerin, die ebenfalls an einer leichteren Histaminose leidet, erwähnte dann einmal ihren Verdacht, dass auch das Östrogen dabei eine Rolle spielt. Ich habe das aber nie weiter verfolgt.
    Seit einiger Zeit hat sich mein Zustand weiter verschlechtert, die Ärzte und ich selbst sind am verzweifeln. Irgendwann habe ich selbst aber auch bemerkt, dass viele Symptome tatsächlich deutlich schlimmer werden vor oder während meiner Periode. Es ist immer etwas unterschiedlich. Der Schmerz ebenso wie andere Symptomatiken und selbst als absolut Histamin-frei geltende Nahrung löst alles mögliche aus. Ich weiß schon gar nicht mehr was oder wie ich überhaupt noch essen soll.

    Dank Deinem sehr gut erklärten Beitrag fühle ich mich jetzt in meiner Vermutung und eigenen Beobachtung absolut bestärkt und werde gleich morgen mit meinem Arzt darüber sprechen (Ich habe sowieso einen Termin) und auch gleich besprechen wer diesen Test machen könnte.
    Besonders der Zusammenhang mit der Schilddrüsenunterfunktion macht Sinn.
    Und auch Deine Beschreibung aller Symptomatiken passt bei mir 1 zu 1.

    Man findet vieles im Internet, aber selten so sachliche und mit Verstand geschriebene Blogs!
    Herzlichen Dank!!
    Und alles gute für Dich!

    1. Antworten

      Johanna

      Liebe Stine,

      vielen Dank für diese liebe Rückmeldung! Genau deshalb schreibe ich diesen Blog, um vielleicht hin und wieder jemandem weiter zu helfen, der selbst nicht mehr weiter weiß. So wie ich damals. Ich kann so gut nachvollziehen, wie es dir geht. Es ist so ermüdend, jeden Morgen aufzustehen und die Frage ist nicht, ob es ein guter oder schlechter Tag wird, sondern wie schlecht es einem gehen wird.

      Von Psychosomatik als einziger Ursachenforschung halte ich wenig. Ich bin mir zwar sicher, dass die Psyche den Körper maßgeblich beeinflussen kann, aber nicht an beliebiger Stelle, sondern immer dort, wo schon ein körperlicher Schwachpunkt ist. Diesen sollte man immer parallel behandeln bzw. beachten.

      Wenn ihr mit der Ursachenforschung weiter gekommen seid, kann ich dir die Klink in Neukirchen (s. Artikel) wärmstens empfehlen, um einfach mal runter zu kommen und deinem Körper die Chance zu geben, sich zu erholen. Mir hat es sehr geholfen, auch ohne mein Wissen über die Hormonsache. Und dort wird man ernst genommen. Unterstützt. Entlastet.

      Ich wünsche dir, dass es bald aufwärts geht, vielleicht sagst du ja Bescheid, was rausgekommen beim Arzt?

      Liebe Grüße,
      Johanna

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