Der Lust-Knick: Wie die Pille das Sexualleben der Frau beeinträchtigt

26. Februar 2018

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Was würdest Du anders machen in Deinem Leben? Diese Frage wurde mir vor kurzem gestellt und mir fiel nicht viel ein – außer: Ich würde niemals die Anti-Baby-Pille einnehmen. Denn obwohl meine Mama mir immer gesagt hat, dass das keine gute Idee ist, wurde mir erst viel zu spät klar, welche gravierenden Auswirkungen die Pille auf mich und mein Sexualleben hat.

Anti-Baby Pille in der Pubertät – Lust ist Männersache

Ich war 15 Jahre alt, als ich anfing, die Anti-Baby-Pille zu nehmen. 15 Jahre. Mitten in der körperlichen und emotionalen Entwicklung. Mitten in der Pubertät. Damals hatte ich auch meinen ersten festen Freund – und die ersten sexuellen Erfahrungen. In den folgenden sieben Jahren Beziehung lernte ich über die weibliche Lust Folgendes: Sex ist für Frauen etwas, was viel mit Liebe, Zärtlichkeit und Vorspiel zu tun hat. Man tut es oft ein bisschen “dem Freund zuliebe”, oder “weil man es halt macht in einer Beziehung”. So ging es augenscheinlich auch meinen Freundinnen – zumindest jenen, mit denen ich über solche Themen sprechen konnte. Und so manifestierte sich das Bild der weiblichen Sexualität in meinem Kopf. Ich nahm es als gegeben an. Männer haben mehr Lust auf Sex als Frauen. Lust ist Männersache.

Zyklus- und Hormonschwankungen kannte ich nicht. Ich hatte wenig Regelbeschwerden oder andere Frauenleiden. Mit Anfang 20 allerdings wurde ich krank. Ganz schleichend und ohne ersichtlichen Grund. Ich vermutete einen Zusammenhang mit der Pille.

Mit Mitte 20, ich hatte gerade meinen heutigen Ehemann kenne gelernt, setzte ich die Pille deshalb ab. Nach zehn Jahren. Ich erinnere mich noch genau an das erste Mal, als ich meine “echten” Tage bekam. Ich weinte vor Glück. Dabei bin ich ein Mensch, der nicht so einfach aus der Fassung zu bringen ist. Aber dieses Übermaß an Gefühlen, diese hormonelle Stimmungslage, kannte ich bis dahin nicht. Ich kannte so vieles nicht, was zum weiblichen Zyklus und zur weiblichen Sexualität gehört. Ich hatte keine Ahnung, wie mies man sich die Tage vor der Regelblutung fühlen kann. Wie launisch und ungerecht ich in dieser Zeit sein kann. Und ich hatte keine Ahnung, wozu dieser weibliche Körper in Sachen Lust fähig ist. Plötzlich habe ich Tage, an denen ich – von selbst, ohne Zutun und zärtliche Annäherungen, ohne Stimulation von außen – ungeheure Lust hatte. In denen ich mich unbesiegbar, wunderschön und attraktiv fühle. Ich entdeckte mit 25 Jahren eine Seite an mir, die eigentlich ganz natürlich ist – aber zehn Jahre lang durch die Pille unterdrückt worden war.

So funktioniert die Anti-Baby-Pille

Der weibliche Zyklus

Um zu verstehen, warum das so ist, muss man erst einmal verstehen, wie der weibliche Zyklus wirkt und wie die Anti-Baby-Pille darin eingreift.

Der Zyklus einer Frau wird maßgeblich durch die Geschlechtshormone geregelt. In jedem Zyklus sorgen diese dafür, dass ein Ei heranreift, nach dem Eisprung über die Eileiter in die Gebärmutter wandert und sich dort einnisten kann, wenn es zu einer Befruchtung gekommen ist. Wenn das Ei nicht erfolgreich befruchtet wurde, verkümmert es und die dadurch freigesetzten Hormone sorgen für das Einsetzen der Regelblutung. Mit dieser Blutung löst sich die Gebärmutterschleimhaut, die sich im nächsten Zyklus wieder aufbaut und die Umgebung für ein befruchtetes Ei bereit macht. Während diesen körperlichen Vorgängen schwanken die Hormone Progesteron und Östrogen sehr stark – und das wirkt sich auch auf die Gefühlslage und die sexuelle Lust einer Frau aus.

Grob gesagt sorgen die Hormone vor und während des Eisprungs dafür, dass wir Frauen fortpflanzungsfähige Männer finden. Die Östrogene überwiegen in dieser Zeit, was sich auch auf unseren Körper und unsere Anziehungskraft auf Männer auswirkt. Erwiesenermaßen finden Männer Frauen in dieser Zyklusphase attraktiver und anziehender. Evolutionär gesehen absolut sinnvoll. Nach dem Eisprung, wenn das Ei also möglicherweise befruchtet wurde und eine Schwangerschaft einsetzen könnte, überwiegt das Progesteron im Körper. Frauen werden ruhiger, der Körper bereitet sich auf eine Schwangerschaft vor.

Hormonelle Gleichschaltung durch die Pille

Was hat nun die Anti-Baby-Pille mit alldem zu tun? Die Pille führt dem Körper relativ hohe Mengen an künstlich hergestellten Hormonen zu. Diese sind in ihrer Struktur den echten Geschlechtshormonen sehr ähnlich und in der Wirkung identisch, allerdings sind sie viel stabiler als körpereigene Hormone. Dadurch reicht es, die Pille einmal am Tag zu nehmen. Im Körper selbst wird damit ein dauerhaft hoher Pegel an Hormonen hergestellt, der in etwa der Zusammensetzung nach dem Eisprung entspricht. Also der Phase, in der die Frau potentiell eine befruchtete Eizelle in sich trägt, die sich in der Gebärmutter einnistet. Ein erneuter Eisprung findet nicht statt. Wenn die Pille für ein paar Tage abgesetzt wird und eine Blutung einsetzt, so ist das keine Menstruationsblutung, sondern eine Ersatzblutung, die einem Schwangerschaftsabbruch entspricht. Danach wird der Körper mithilfe der künstlichen Hormone sofort wieder in den Zustand einer Frühschwangerschaft versetzt und ein möglicher Eisprung unterdrückt.

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So kann die Frau mit der Pille in den allermeisten Fällen nicht schwanger werden. Allerdings ist sie hormonell auch quasi gleichgeschaltet. Es findet kein Zyklus statt, keine Schwankung von Hormonen. Leider verpasst man dadurch die allerbeste Phase des weiblichen Zyklus: Die fruchtbare Phase vor bzw. während des Eispungs. In dieser Phase fühlen sich die meisten Frauen gut und wohl in ihrem Körper. Und haben Lust auf Sex.

Warum gibt es keine Aufklärung über den Lust-Knick?

Das ist also auch mir passiert. Zehn Jahre lang wusste ich nichts von einer fruchtbaren Phase und dem Hochgefühl, das diese auslösen kann. Und ich meine nicht nur, dass ich sie nicht erlebt habe, sondern dass ich wirklich nichts davon wusste! Denn während viel über die negativen Auswirkungen oder Nebenwirkungen von Anti-Baby-Pillen berichtet wird, scheint mir die Sache mit der weiblichen Lust irgendwie totgeschwiegen zu werden. Wenn Du Dich also während der letzten Absätze gefragt hast, warum ich solch intime Details von mir preisgebe – genau das ist der Grund! Weil ich es satt habe, dass niemand darüber spricht, was die Pille mit uns Frauen wirklich macht. Wie einige Generationen nach dem Pillen-Knick immer noch nicht über den damit einhergehenden Lust-Knick berichtet wird. Wie immer noch jungen Mädchen in ihrer Pubertät vorgegaukelt wird, die Pille wäre ein adäquates Verhütungsmittel, deren hauptsächliche mögliche Nebenwirkungen Trombose oder die Bekämpfung von Akne wären.

Mich ärgert es ungemein, dass Mädchen wie ich damals ahnungslos sind, warum ihre Partner so viel mehr Freude an ihrer Sexualität verspüren. Warum sie, so wie ich, akzeptieren, dass Lust eben Männersache ist. Warum sie erst viele Jahre später – und das ist fast jeder der Frauen passiert, mit denen ich darüber spreche – herausfinden, wie viel Lust auch Frauen haben können.

 

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By Johanna

Johanna ist Anfang 30, verheiratet, 1 Kind. Obwohl das Leben ihr schon immer zuzulächeln scheint, ist sie immer noch auf der Suche. Denn vor allem gesundheitlich ist der Weg noch weit.

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