Ist Zucker schädlich? Früher war es das Fett in Lebensmitteln, das uns angeblich dick und krank macht, mittlerweile werden Kohlenhydrate und vor allem Zucker stark verteufelt. Nachdem mein Bruder mir neulich mitteilte, dass es keine wissenschaftlichen Belege gebe, dass Zucker für den menschlichen Körper schädlich sei, habe ich mich auf die Suche begeben: Was macht Zucker im Körper? Welche Krankheiten können durch übermäßigen Zuckerkonsum entstehen? Sollten wir wirklich komplett auf Zucker verzichten? Sind Zuckerersatzprodukte besser?
Warum Zucker schädlich für unsere Gesundheit ist
Welche Krankheiten können durch Zucker entstehen?
Ich bin seit vielen Jahren fest der Überzeugung, dass Zucker schädlich für den menschlichen Organismus ist. Was ich tatsächlich nicht wusste, ist, wie viele Krankheitsbilder mittlerweile mit zu hohem Zuckerkonsum in Verbindung gebracht werden:
- Übergewicht: Zucker enthält ausschließlich sog. „leere Kalorien“. Sie können vom Körper sehr schnell aufgenommen und verstoffwechselt werden.
- Karies: Mithilfe von Zucker, der sich auf den Zähnen ablagert, zersetzen Karies-Bakterien den Zahnschmelz und es entstehen Löcher, die irgendwann schmerzhaft werden.
- Typ-2-Diabetes: ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum beansprucht die Bauchspeicheldrüse und kann die Zuckerkrankheit auslösen.
- Herzkrankheiten
- Schäden am Gehirn: Zucker lässt das Gehirn schrumpfen, verursacht Nervosität, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche
- erhöht den Blutdruck
- sogar Krebserkrankungen werden in Zusammenhang mit Zucker gebracht
- Autoimmunerkrankungen wie Arthritis, Asthma und Multipler Sklerose
- Osteoporose
- Leberschäden
- Magen-Darm-Trakt: Zucker irritiert den Magen und zerstört eine gesunde Darmflora. Durch die schnell verfügbare Energie aus dem Zucker können sich schädliche Bakterien und Pilze im Darm schneller vermehren, als die gesunden Bakterienkulturen. Es entsteht ein Ungleichgewicht, das zu Blähungen, Völlegefühl, Schmerzen oder einer ernsthaften Darmerkrankung wie Candida, Leaky Gut Syndrom oder Reizdarm führen kann.
- Hormonstörungen der unterschiedlichsten Art
- Schnellere Zellalterung durch Zucker-Abbauprodukt
- Starke Müdigkeit, Antriebs- und Energielosigkeit bis hin zu Depressionen, Angstzuständen
- Haarausfall, Hautkrankheiten, Pilzbefall
- Menstruationsbeschwerden
Was macht Zucker mit dem Körper?
Wenn wir Kohlenhydrate bzw. Zucker essen, wir im Körper das Hormon Insulin ausgeschüttet. Es sorgt dafür dass der Zucker verstoffwechselt und die Energie aus dem Zucker in den Mastzellen gespeichert werden kann. Wenn wir also viel reinen Zucker zu uns nehmen, arbeiten die Bauchspeicheldrüse und Verdauungssystem auf Hochtouren. Weil reiner Zucker in der natürlichen Ernährung nicht vorkommt, wird der Körper davon schnell überlastet.
Macht Zucker süchtig?
Diese Frage kann ich, und wahrscheinlich jeder andere, der schon einmal versucht hat, auf Zucker zu verzichten, mit einem klaren JA beantworten. Vor einigen Monaten haben mein Mann und ich uns einen Monat lang fast komplett ohne Industriezucker ernährt. Das war zum Einen gar nicht einfach, weil Zucker in so vielen alltäglichen Produkten steckt. Zum anderen waren die ersten Tage wirklich wie ein Entzug. Wir mussten uns selbst bremsen und beherrschen, weil wir abends richtig nach Zucker „suchten“.
Tatsächlich erzeugt Zucker eine Sucht. Wenn man Zucker zu sich nimmt, wird nämlich kurzfristig Dopamin ausgeschüttet – und das erzeugt ein Glücksgefühl. Doch schon nach kurzer Zeit ist das Gefühl vorbei und wir möchten mehr Zucker essen, um mehr Glücksgefühle zu erzeugen. Das bekannte Prinzip von Drogen.
Vorliebe für Süßes ist angeboren
Was süß ist, schmeckt uns. Das kann man schon bei kleinen Babys beobachten. Bitteres dagegen spucken wir instinktiv wieder aus. Kann es trotzdem sein, dass Zucker schädlich ist?Diese natürliche Vorliebe ist ein wirksamer Schutz gegen giftige Pflanzen, bedeutet aber nicht, dass alles Süße auch gesund ist. Und vor allem bedeutet es nicht, dass reiner, raffinierter, industriell gewonnener Zucker in hohen Dosen gesund ist!
Ein Deutscher nimmt täglich über 100 g davon zu sich. Das macht 35-40 Kilo pro Jahr. Bei Kindern ist der Wert sogar noch höher. Das ist nicht gesund. Das entspricht täglich 37 Würfeln Zucker und 600 extra Kalorien. Werden diese Kalorien nicht zusätzlich verbrannt, ist die Folge auch äußerlich erkennbar: Fettleibigkeit. Und wir sprechen hier nur vom Durchschnitt, nicht von exzessivem Gebrauch. Problem: nur 17% davon führen wir in reiner Form, also bewusst zu. Der Rest steckt in Produkten, von denen wir teilweise nicht einmal erwartet hätten, dass sie Zucker enthalten. Nudelsaucen und andere Fertigprodukte, Brot, Getränke, Schinken oder Salami, Chips und andere Knabbereien. Wer einmal anfängt, auf die Zutatenliste im Supermarkt zu achten, wird unter Umständen ein böses Erwachen erleben.
Aber Zucker kommt doch auch in natürlicher Form vor? Ja, aber nie in isolierter Form! Wer ein Stück Zuckerrohr verspeist, der wird den Unterschied schmecken: bei der Gewinnung von Industriezucker gehen viele Fasern und Bestandteile des ursprünglich süßen Produkts verloren. Und mit ihnen auch Vitamine, Ballaststoffe und Spurenelemente. Und genau deshalb macht zu viel Zucker uns krank: neben den anderen negativen Auswirkungen entsteht ein Vitalstoffmangel, der sich negativ auf das Immunsystem und den gesamten Organismus auswirkt.
Wie kann ich auf Zucker verzichten?
Zucker in kleinen Mengen kein Problem
Zum Glück ist Zucker nicht automatisch schädlich. Wie so oft macht die Dosis das Gift. So gehört Zucker in normalen Mengen und in normaler, natürlich vorkommender Form zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. In gewisser Form braucht der Körper Zucker. Genauso wie Fette oder andere Kohlenhydrate (denn Zucker ist nichts anderes als ein Kohlenhydrat). Wie gesagt, in Maßen. Und im Prinzip enthalten genügend Lebensmittel natürlichen Zucker in Form von Frucht- und Milchzucker, sodass auf zusätzlicher Zucker nicht nötig ist.
Ein erster Schritt bei der zuckerarmen Ernährung ist immer der sog. Entzug. Das heißt, man sollte die ersten vier Wochen komplett auf Zuckerzusätze in Fertignahrung und auf jeglichen industriellen Zucker verzichten. Auch brauner Zucker ist übrigens Industriezucker, oft sogar weißer Zucker mit Farbstoff versetzt. Also auch nicht besser. Nach diesem vierwöchigen Entzug wird es leichter fallen, den Zuckerkonsum niedrig zu halten. Denn schon nach 1-2 Wochen merkt man spürbar, wie der tägliche Heißhunger auf Süßes nachlässt. Außerdem kann man feststellen, wie sich der Geschmacksinn verändert. Natürlich süße Lebensmittel wie Obst oder Naturjoghurt kommen einem plötzlich süß genug vor und Schokolade oder Eis erscheint dann oft zu süß. Mir ist auch ein Beigeschmack von Schokolade aufgefallen, den ich sonst nicht kannte – vermutlich, weil sich der Geschmacksinn auch verfeinert.
Im Zweifelsfall auf Ersatzprodukte zurückgreifen, allerdings keinen Süßstoff! Dann lieber Xylit, Honig, Stevia, Kokosblütenzucker oder natürliche Süße aus Früchten. Diese Zuckerersatzprodukte haben weniger Kalorien und weniger negative Nebenwirkungen als Zucker. Aber auch sie sollten in Maßen genossen werden.
Warum enthalten so viele Lebensmittel Zucker?
Doch warum enthalten so viele industriell gefertigte Lebensmittel Zucker? Diese Frage ist schnell beantwortet: Zucker ist ein günstiger Geschmacksverstärker. Nahrungsmittel, die mit Zucker „gewürzt“ sind, schmecken einfach besser und nach mehr – und werden so auch häufiger verkauft. Für die Lebensmittelindustrie gibt es keinen Grund, auf die langfristige Gesundheit der Menschen zu achten – es sei denn, das bringt einen finanziellen Vorteil. Aktuell tut es das nicht.
Ein weiteres Problem beim Verzicht auf Zucker ist, dass auf der Zutatenliste vieler Produkte nicht Zucker steht, sondern Saccarose, Glucose, Fruktose oder Lactose. Das sind andere Bezeichnungen oder andere Formen von Zucker. Fruktose ist Fruchtzucker, Lactose Milchzucker. Trotzdem werden sie der Nahrung künstlich zugesetzt und schaden dem Körper.
Fazit
Obwohl die meisten Menschen wissen, dass Zucker schädlich ist für unseren Körper und vor allem für Kinder, enstehen aus diesem Wissen oft keine Konsequenzen. Dabei kann zu viel Zucker erwiesenermaßen zu lebenseinschränkenden bis lebensbedrohlichen Erkrankungen führen.
Natürlich wird die Lebensmittelindustrie nicht umdenken, solange die mit Zucker gesüßten Produkte besser verkauft werden, als die ohne Zucker. Ich würde mir wünschen, dass mehr und mehr Menschen mit diesen Prozess des Umdenkens in die Wege leiten und unser aller Ernährung wieder gesünder wird.
Wow toller Artikel, so habe ich das noch garnicht gesehen! Viele Grüße aus Berlin!