9 Tage Histamin Diät – meine Erfahrungen als „Anfänger“
Der Entschluss: Ich will auch dazugehören.
Warum ich mich entschlossen habe, eine Histamin Diät zu probieren, ohne dass mir eine Unverträglichkeit diagnostiziert wurde? Schön langsam bin ich mir selbst und mein Körper unheimlich. Ich gehöre der Generation 50 plus an und in meinem Umfeld tauchen immer mehr Menschen auf, die an Unverträglichkeiten, Allergien, Intoleranzen und ähnlichem leiden oder neu erkranken. Ich horche schon seit geraumer Zeit in meinen Körper, ob sich da was zusammenbraut. Ich bin beunruhigt, wenn ein Verwandter krank ist und mache mir Gedanken über mögliche genetische Zusammenhänge. Immerhin hat schon meine Oma leichte Anzeichen einer Neurodermitis gehabt und auch ich kenne das Gefühl, wenn mich nach einem harmlosen Mückenstich tagelang übler Juckreiz quält.
Ich habe im Internet erforscht, was die Ursache dafür sein könnte und bin auf den Übeltäter Histamin gestoßen. Könnte ja sein, dass gelegentliche Alltagsbeschwerden wie Blähungen, Verstopfung und Bauchgrimmen auch darauf zurückzuführen sind? Frisch erholt nach einem Kurzurlaub habe ich deshalb den Entschluss gefasst, es einmal zu testen. Ich möchte 14 Tage histaminfrei essen und ausprobieren, wie mein Körper darauf reagiert.
Ich habe keine Lust, sämtliche Diäten und Ernährungsvorschläge für Menschen mit einer Histaminintoleranz genau und detailliert zu erforschen. Immerhin ist es ja nur ein Probelauf. Für einen Überblick habe ich das E-book „Histaminintoleranz“ Der Preis und die kurze, praxisnahe Information waren für mein Vorhaben optimal. Danach fühlte ich mich informiert und bereit für mein Vorhaben.
Tag 0 – Jetzt wird’s ernst. Gute Planung ist die halbe Miete.
Am Nachmittag habe ich mich im Supermarkt mit dem Nötigsten versorgt. Roggenknäckebrot ohne Hefe, Joghurt, Obst, Gemüse und Nüsse. Dann habe ich noch richtig über die Stränge geschlagen- kulinarisch gesehen. Erst gab es Blätterteig und Apfelstrudel und am späten Abend Currywurst mit Pommes, um „gestärkt“ zu sein für Tag 1. Schon beim Essen der letzten Pommes werden die ersten Hürden mit meinem Mann diskutiert. histaminbelastete Nahrungsmittel gibt es ständig bei allen möglichen Gelegenheiten, und die sind reichlich zu erwarten bzw. schon eingeplant. Das Wochenende steht an mit Verwandtenbesuchen, Einladungen von Freunden und gemütlichem Frühstück mit meiner Familie. Ich habe denkbar schlecht geschlafen, wohl als Folge von zu viel Fett in den Pommes und der Wurst und vielleicht auch wegen dem Kaffee, den ich am Ende noch getrunken habe.
Tag 1- Jetzt gilt es. So rächt sich zu viel Optimismus.
Um genau 8.00 Uhr steht in der Arbeit das tägliche Frühstück im Kreis der Kollegen an. Natürlich habe ich vergessen, mich vorzubereiten. So gibt es am Morgen für mich nur Kaffee mit Milch und Obst. Meine heißgeliebte Roggensemmel und den Emmentalerkäse habe ich tapfer verschmäht. Gottseidank habe ich während der Arbeit keine Zeit, über meine Histamin Diät weiter nachzudenken. Mein Mann wird beauftragt, im nächsten Supermarkt 4 Packungen Reiswaffeln und Dinkelnudeln zu kaufen. Das Schicksal erlegt mir an diesem Tag noch einige schwere Prüfungen auf. Meine Mama hat ihre superleckeren, warmen, frischen Pfannkuchen gebacken, mein Mann balanciert vier äußerst appetitlich aussehende Donuts von seinen Arbeitskolleginnen in der Hand und im Kühlschrank zu Hause sind noch die Kuchenreste vom Vortag. Mein Durchhaltewille wird durch diese Widrigkeiten aber nur gestärkt. Noch während der Heimfahrt verzehre ich ausgehungert eine halbe Packung Reiswaffeln, was mir ein mitleidiges Lächeln meines Mannes einbringt. Wer glaubt, das sei nicht zu toppen, dem möchte ich berichten, dass mein Mann später noch frische Pilze aus dem Wald heimbrachte. Gottseidank spricht histamintechnisch nichts gegen eine leckere Pilzmahlzeit mit Sahne, hefefreier Gemüsebrühe und Dinkelnudeln.
Resümee von Tag 1: ich fühle mich gut, kein Hunger zu vermelden. Die Versuchungen im Alltag sind allerdings groß. Wer Stress hat oder sich unsicher ist, ob diese Diät das Richtige ist, sollte es gar nicht erst versuchen. Mir schwant, dass es für jemand, der an Histaminintoleranz leidet, schwierig sein kann im Alltag. Extrem viele Nahrungsmittel enthalten Weizen oder Hefe und sind nicht richtig frisch. Da wird das Angebot an möglichen Nahrungsmitteln schnell ausgedünnt und vieles ist auch teurer.
Tag 2 – und immer lockt das Essen
Ein wunderschöner Traum lässt mich sanft erwachen: mein Mann überrascht mich mit einem Pralinenbuffet. Glücklicherweise ist das nur ein Traum, sonst hätte ich am Tag 2 schon mein Vorhaben erfolglos beenden müssen. Es beginnt wiederum mit den schon bekannten Versuchungen im Alltag. Um 8.30 Uhr ist Samstag und ich treffe mich mit meinen Freundinnen zum heißgeliebten Frauenfrühstück, am reichhaltig bestückten Frühstücksbuffet im Café. Das Glück ist mir zum zweiten Mal hold: eine Freundin hat seit 2 Wochen ihre Ernährung umgestellt, man glaube es kaum, auf eine histaminarme Diät! Nach jahrzehntelangen schweren Migräneattacken fühlt sie sich seit der Ernährungsumstellung total wohl und hat seit 3 Wochen keine Schmerztabletten benötigt. Das liefert genug Gesprächsstoff und das nötige Durchhaltevermögen. Ich kann Brezen und Butterhörnchen, Schinken und Käse widerstehen und bin trotzdem satt geworden. Der Rest des Tags läuft entspannt ab, ich habe mir Mahlzeiten gekocht, die mir schmecken und histaminfrei sind.
Resümee von Tag 2: Obwohl das Frühstück im Kreis meiner Freundinnen eine Herausforderung ist, was den Verzicht auf histaminhaltige Lebensmittel betrifft, kommt völlig unerwartet Hilfe in Gestalt meiner lieben Freundin, die mein „Leid“ teilt. Zu zweit fällt einfach vieles leichter.
Tag 2 – die Sonne geht auf in meinem Magen
Es ist Sonntagmorgen, ich habe Zeit, auf mein Innenleben zu horchen, während ich mich nochmal im Bett umdrehe. Es gibt in meinem Bauch verschiedene Arten von Gefühlen. Da ist einmal das „Alltags-Gefühl“, das sich nach nichts anfühlt und wo mein Magen und Darm die Funktion haben, möglichst bescheiden im Hintergrund zu sein und dann nach Mahlzeiten unauffällig und effektiv ihren Dienst zu tun. Dieser Zustand führt über kurz oder lang zum „Wolf-Gefühl“, das mit riesigem Hunger gepaart ist. Dem helfe ich in der Regel ab, indem ich möglichst viel esse und am Ende noch etwas Süßes dazu. Dies führt, wenn ich es nicht übertreibe, zum „Alltags-Gefühl“ zurück. Manchmal führt es bei zu viel Essen und Süßigkeiten zu Bauchdrücken. Nebenbei möchte ich erwähnen, dass mein Gedärme das „Knoten-Gefühl“ bei Stress kennen, das „Plumps-in-die Hose-Gefühl“ bei Angst und das „Pudding-Gefühl“ nach körperlicher Anstrengung. Heute am Sonntagmorgen am Tag 3 meiner Histamin Diät spüre ich ein Bauchgefühl, das ich nur sehr selten habe. Es ist, als ob mein Magen völlig warm und geschützt in meinem Bauch liegt und lächelt. Dieses Bauchlächeln fühlt sich an, als würde eine milde, freundliche Frühjahrssonne in meinem Bauch aufgehen und sich bis hinauf in meinen Kopf verbreiten. Unwillkürlich muss ich lächeln und freue mich auf einen angenehmen Tag. Selbstredend bin ich voll motiviert, mit meiner Diät weiterzumachen und genehmige mir zum Frühstück ein Müsli mit Haferflocken, Joghurt und Früchten.
Resümee von Tag 3: Das Durchhalten und Verzichten der ersten zwei Tage zeigt erstaunlicherweise schon jetzt seine Wirkung. Mit diesem Effekt habe ich nun wirklich nicht gerechnet: ich bin besser gelaunt, fühle mich irgendwie energiegeladener und hab jede Menge Ideen, was ich heute anfangen will. Mal sehen, vielleicht ist es auch nur die Folge von genügend Schlaf am Wochenende.
Tag 4 – der Alltag hat mich wieder
Heute ist wieder ein Arbeitstag, ich habe also keine Zeit, genüsslich und in aller Ruhe den Gefühlen in meinem Körper nachzufühlen. Ich bemerke aber, dass ich besser gelaunt bin als in den letzten Wochen und irgendwie auch leistungsfähiger. In Zusammenarbeit mit einer Kollegin beenden wir in Windeseile ein Projekt, das wir schon lange vor uns hergeschoben haben. Die Motivation zum Durchhalten ist deshalb hoch. Ich bin besser vorbereitet und habe Roggen-Knäckebrot ohne Hefe fürs Frühstück eingepackt. Reichlich Obst gibt es bei uns in der Arbeit sowieso dazu. Am Abend gibt’s kalte Küche mit Eiern und Roggenbrot aus dem Bioladen. Zwischendurch knabbere ich gesalzene Reiskekse. Dann geht’s ab in meine Tanzstunde.
Resümee von Tag 4: Wenn sich der Kopf erstmals ernsthaft eingestellt hat auf die histaminarme Ernährung, ist es überhaupt kein Problem mehr. Ich habe keine Gelüste auf Süßes oder andere leckere Genüsse, die histaminbelastet sind.
Tag 5 – ich bin perplex
Seit Monaten habe ich Schlafstörungen: ich wache nach Mitternacht auf, so gegen 2.00 Uhr und kann dann lange nicht mehr einschlafen. Am Morgen bin ich dementsprechend müde und fühle mich häufig überfordert. Am Abend bin ich um 19.00 Uhr schon todmüde. Ich habe das bisher auf die Wechseljahre und den Stress in der Arbeit geschoben und als eher unvermeidbar abgetan. Heute Morgen fällt es mir plötzlich auf, ich habe seit 3 Tagen fest und tief geschlafen, ohne nachts imaginäre Sorgen zu wälzen und Schäfchen zu zählen. Das überrascht mich dann doch sehr! Nachdem ich zu Übertreibungen neige, habe ich ernsthaft in Erwägung gezogen, mein Leben völlig auf Roggenknäckebrot und Reiskräcker mit Butter und Frischkäse umzustellen. Heute ist ein Feiertag, so dass ich dieses Hochgefühl mit meinem Liebsten teilen kann. Der gibt sich allergrößte Mühe, mich in meinem Vorhaben zu unterstützen. Das Frühstücksmüsli mit Haferflocken, Joghurt und Früchten schmeckt ausgezeichnet. Die frischen Karotten aus dem eigenen Garten sind eine leckere Zwischenmahlzeit und zum Abendessen gibt es Gemüse mit selbst gemachtem Kartoffelpüree.
Resümee von Tag 5: Wenn sich so rasch und so eindeutig die Erfolge zeigen, dann wird das Weitermachen eine Kinderspiel. Ich bin gespannt, was sich noch alles zeigen wird und mache mir viele Gedanken über Ernährung und Wohlbefinden. Mir fallen unzählige Menschen ein, die häufig krank sind und die von der richtigen Ernährung enorm profitieren könnten. Ich muss mich zur Räson rufen, damit ich erste Anflüge von missionarischem Eifer nicht an meinem Mitmenschen abreagiere.
Tag 6 bis 8 – Routine ist eine praktische Angelegenheit
Drei Tage lang der Versuch im Arbeitsmodus – aufstehen, zur Arbeit gehen, das Essen dort und zu Hause am Abend planen und histaminfrei gestalten. Mit der in 5 Tagen gewonnenen Routine fällt mir das nicht mehr schwer. Meine Arbeitskolleginnen zeigen zunehmend Interesse und wundern sich über mein Entschlusskraft in Bezug auf Essen. Sie fragen sich vielleicht insgeheim, warum ich eine Spur besser gelaunt bin als sonst und mich insgesamt frischer und leistungsfähiger zeige. Selbst 2 Termine am Abend sind zu bewältigen, inklusive zwei Essen im Restaurant. Da ich Pommes liebe, esse ich einfach einen Teller Pommes mit Salat zum Abendessen. Aber am Freitag ist es dann ohne Vorwarnung und trotz aller guten Vorsätze vorbei mit histaminfrei: ein Essen im Kreis der Familie in einem Restaurant mit ausgefallener Speisekarte lässt mich bei Spinatspätzle mit Ananas-Chutney schwach werden. Das war es aber auch wert! Stures Befolgen einer Regel kann auch nicht immer richtig sein, davon bin ich überzeugt. Ich bin trotzdem stolz auf mich, weil ich überzeugt bin, dass der Entschluss zu Spinatspätzle absolut meinem freien Willen entspringt und weil ich überdies auf die Nachspeise verzichtet habe.
Resümee von Tag 6 bis 8: neu erlernte Gewohnheiten im Tagesablauf sind ungemein förderlich und helfen. Ich kann ohne Probleme auf Süßes verzichten, ich habe kein Verlangen danach. Das zeigt sich auch auf der Waage: 1kg abgenommen!
Tag 9 – einmal ist keinmal?
Einmal schwach geworden, meldet sich vehement mein lebenslang erprobtes Ernährungsschema wieder. Die Macht des Körpers siegt über meinen gestern noch so hochlobten freien Entschluss. Ich gebe mich ganz ungeniert den seit Jahrzehnten erprobten Ernährungsgenüssen hin. Tiramisu und Semmeln mit Marmelade, ein Gläschen Rotwein und Pralinen, das ist meine Tagesbilanz. Auch eine Tomate im Salat war dabei, und Essig und Mayonnaise!
Resümee von Tag 9: Ich halte nicht länger durch, der Verzicht fällt mir schwerer als gedacht. Wie schnell ich doch wankelmütig geworden bin, gestern noch voller Durchhaltewillen und heute schon komplett umgekippt. Ich empfinde Respekt vor der Leistung von Menschen, die ihr Leben lang auf alle Lebensmittel verzichten müssen, die ich mir ab heute wieder genüsslich einverleiben werde.
Was bleibt?
Ich werde histaminfreie Lebensmittel, die mir schmecken, vermehrt in meinen Speisplan einbauen, aber nicht mehr so streng darauf achten, wie in den letzten 9 Tagen. Gottseidank kann ich mir das leisten, ohne das Plus an Wohlbefinden, das ich mit der Histamin Diät dazugewonnen habe, gleich wieder aufs Spiel zu setzen. Was bleibt ist auch, dass ich mich intensiv mit meiner Ernährung und meinem Körper beschäftigt habe. Das gibt mir auch die Möglichkeit, bewusst entgegenzusteuern mit histaminarmer Ernährung, wenn ich mal auf einem Tiefpunkt bin und mich wieder aufbauen möchte. Insgesamt war die Zeit eine wertvolle Erfahrung für mich und hat mir eine Ahnung vermittelt über die Disziplin von Menschen, die ihr Leben lang eine Diät halten müssen.
Joghurt, Nuesse, Gewuerzketchup der Currywurst, Kaese, waeren bei meiner histaminintoleranz unmoeglich zu essen. Die meisten Früchte auch. Angeblich ist der Histaminspiegel zwischen 2 und 3 Uhr morgens am hoechsten und deswegen wachen viele Menschen mit einer Histamintoleranz da auf, muessen sich uebergeben, koennen nicht schalfen usw.
Pilze?Nüsse?Früchte?
Was für eine Histamindiät ist das denn ?
Gar keine! Was für ein lächerlicher Beitrag.
Hallo liebe Ema,
bitte keine Beschimpfungen. Als jahrelang Betroffene HIT-Patientin weiß ich, dass jeder Mensch anders reagiert. Auf jeden Fall gibt es Fälle, in denen man fast überhaupt nichts mehr essen kann. Wenn das bei Dir der Fall ist, tut mir das leid und ich wünsche Dir gute Besserung.
Viele Grüße,
Hanna